Vertrauen näher betrachten

in Memoriam Balthasar Staehelin, Prof. Dr. med

 

Vertrauen ist der positive Aspekt menschlicher Bindung und menschlicher Hoffnung

 

Vertrauen ist nicht Mistrauen, nicht Zweifel, nicht Unsicherheit, nicht Zögern, nicht Angst, nicht Verwirrung, nicht Ablehnung, nicht Gegenwehr, nicht Abwendung, nicht Abwarten, nicht Desinteresse, nicht Indifferenz, nicht Willensschwäche, nicht Rückzug, nicht Isolation, nicht Flucht

Vertrauen ist nicht Abhängigkeit, nicht Zwang, nicht Sucht, nicht Unfreiheit, nicht Selbstaufgabe, nicht Destruktion

Vertrauen ist auf Dauer angelegt. Vertrauen ist nicht endlich, nicht Abbruch, nicht Trennung, nicht Lieblosigkeit, nicht Egoismus. Im Vertrauen soll es dem Du gut gehen können

Vertrauen hat jeder Mensch und er kann es deshalb selbst verschütten, überdecken - und auch dann ist es noch da, eben verschüttet, verliert seine bewusste Wirkung. Wir scheinen oft am anderen Menschen zu scheitern, liegt der Grund nicht noch tiefer?

Das Urvertrauen jedes Menschen ist also von Anfang an da, gehört zum Wesen des Menschen und entsteht nicht durch sozialen Kontakt, entsteht nicht durch eigene Anstrengung. Weil es von Anfang an zum Menschen gehört, es ist da

 

Wenn andere sich so verhalten, dass Vertrauen verdeckt, zugeschüttet wird, bleibt dann der Beeinträchtigte allein ohne Vertrauen? Das bedeutet, nach Vollständigkeit von Vertrauen fragen.

Der Zusammenhang von Vertrauen und Hoffnung besteht darin, dass Vertrauen nicht allein in die Vergangenheit gerichtet sein kann. Wer sein Vertrauen auf die Vergangenheit stützt lebt kausal und nicht final. Kausal: was gut war könnte aus Kontinuitätsgründen auch weiter gut bleiben. Eine solche Grundlage bleibt kontingent. Das Vertrauen in die Zukunft ohne zwanghaftes Verbleiben in der Gegenwart kann final begründet sein, auch wenn im Gegenwärtigen  und Vergangenen Negatives überwiegt.

Vertrauen ist fundamentaler als Können, als Erfahrungswissen, als Wissen. Wie soll ein Mensch ohne Vertrauen als Grundfaktor des Glauben-Könnens sein Glauben-Können reifen lassen können?

Vertrauen wächst in Verbindung mit Tugenden. Es gehört also Arbeit an seiner eigenen Reifung dazu

Hoffnung muss auf Wirkliches aufgebaut sein, wäre das nicht der Fall, dann wäre Vertrauen Irrtum. Dadurch sind Werthaltung und Erkenntniswissen (auch Erfahrung) eng verbunden.