Verantwortliches Handeln gelingt besser wenn wir fähig sind andere Standpunkte zu erkennen

 

Nur Wochen nach den Katastrophen in Japan schwenken die Homepages der europäischen Medien langsam wieder auf "normal".

Unter dem Titel "Fukushima: Wie geht es weiter" ist zu lesen (Zitat heute.de/ZDFheute/inhalt), es sei nicht leicht abzuschätzen, wie sehr Erdbeben und Tsunami die Atomreaktoren in Fukushima beschädigt hätten.

Schlagzeilen (Quelle ZDF, Stand vom 28.03.2011): 
Japans Regierung räumt Kernschmelze ein - Tepco sorgt für Verwirrung - Verwirrung um Strahlenwerte - Japanische Lebensmittel unbedenklich? - Meer bei Fukushima stark verstrahlt - Japan: Extreme Strahlung im Meer - Der Betreiber hat keinen Plan B - Verstrahltes Wasser - Lange Schlangen vor Supermärkten - Schärfere Lebensmittelkontrollen - der "grüne Riese" setzt auf Atomkraft - Die Lage in Japan ist ausser Kontrolle - Seit Tagen kein Fortschritt in Japan - Japan: die Anti-AKW-Bewegung wird stärker - Japan: Angst vor radioaktiver Belastung - Rückbau von Atomkraftwerken - Physiker beantwortet Zuschauerfragen - Strahlung in Europa ungefährlich - Experte: Radioaktivität ist überall - Atompolitik: Die Jugend wird aktiv - Drei Arbeiter in Fukushima verstrahlt - Kröger: Japaner weiterhin gelassen.

Andere Quellen im WWW vermitteln ähnliche Information (BBC, CNN, TF1, France 24)
Du plutonium détecté dans le sol de la centrale de Fukushima - Plutonium found in small quantities on plant grounds

 

Wie zeigt sich in dieser Information Gesellschaft?

räumt ein - Verwirrung - Verwirrung - unbedenklich - stark - Extreme - keinen - Lange Schlangen - Schärfere - setzt auf - ausser Kontrolle - seit Tagen kein - wird stärker - Angst - Physiker beantwortet - ist überall -  wird aktiv - gelassen.

Ist diese Angst klar oder diffus? Weshalb ist sie überhaupt möglich?
Sind Japaner, sind wir noch fähig, andere Standpunkte zu erkennen?

Zu oft wird zwischen Rest-Risko und Gefahr nicht unterschieden, was darauf hindeutet, dass Grundlagen der Methode des Risikomanagements nicht angewendet werden in Verlautbarungen, Berichten und Kommentaren. Es fehlt in solchen Fällen an einer klaren ethischen Unterscheidung zwischen Machbarem und Unverantwortbarem.

 

Sind wir noch fähig, andere Standpunkte zu erkennen?

Das Sollen folgt dem Sein. Wenn dieser Satz gilt, dann sind wir aufgerufen, uns aktiv und initiativ für das Sein (die Wirklichkeit)  zu interessieren, für Zusammenhänge in der heutigen Gesellschaft, Wirtschaft und Natur des Planeten Erde. Unsere Gemeinschaften sind alle zugleich lokal und global.

Das Sollen folgt dem Sein. Wenn dieser Satz gilt, dann sind wir aufgerufen, nicht nur für unsere eigene Rettung etwas zu tun, sondern andere in unseren Lebenszielen einzuschliessen, indem wir andere Standpunkte erkennen und subsidiär handeln - solidarisch sein folgt immer zu spät.

 

Subsidiaritätsprinzip, der kath. Sozialphilosophie entnommenes Prinzip, wonach jede gesellschaftliche und staatliche Tätigkeit ihrem Wesen nach subsidiär (unterstützend und ersatzweise eintretend) sei, die höhere staatliche oder gesellschaftliche Einheit also nur dann helfend tätig werden und Funktionen der niederen Einheiten an sich ziehen darf, wenn deren Kräfte nicht ausreichen, diese Funktionen wahrzunehmen. Von fundamentaler Bedeutung wurde das Subsidiaritätsprinzip für die katholische Sozial- und Staatslehre. Nach 1945 hat das Subsidiaritätsprinzip in der Programmatik christlicher Parteien vor allem auf dem Gebiet der Sozial- und Bildungspolitik eine wichtige Rolle gespielt, sich aber nicht als allgemeingültiges rechtliches Prinzip durchgesetzt.

 

        Woran liegt es, dass viele nicht mit anderen die Probleme unserer Gegenwart und Zukunft in gegenseitiger
        Ergänzung direkt und unkompliziert anpacken?

Die Medien liefern uns weltweit Information - auch daran können wir unser Nichtwissen bestimmen. Das gelingt auf der Grundlage des eigenen, aktiven Erlebens der umfassenden Grundlagen der materiellen  Natur und unserer Umwelt (zu der die Gesellschaft auch gehört).

Sind wir betreffend Fukushima in der Schweiz auf dem richtigen Weg - dazu ein Link zum Bundesamt für Umwelt:

http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01587/index.html

 

Gesellschaftliche Entwicklungstendenzen (Ausschnitt aus dem Bereich Laborschule)

Meistens erachten wir die Arbeitsteilung als einen Fortschritt und Vorteil und nennen dies positiv wertend Spezialisierung. Diese Art zu arbeiten ist gleichzeitig Vertiefung, Verengung und Isolation, Trennung, Verlust an Übersicht, Einschränkung, verstärkte Abhängigkeit. Wer dies einsieht, der denkt nicht nur an sich, sondern betrachtet psychosoziale Zusammenhänge - er würdigt den Menschen in seiner Gemeinschaft oder Gesellschaft.

Spezialisierung erfreut noch mehr, wenn wir dank unserer Erfahrung fähig sind mit zahlreichen Spezialisten eng und offen zusammenzuarbeiten. Das gelingt durch die eigene Erfahrung von Zusammenhängen - also durch Allgemeinerfahrung breitgefächerter  Grundlagen und im klaren Bewusstsein, wo unser Nichtwissen beginnt. Es bedeutet nicht Spezialisierung, sondern Übersicht innerhalb des heute zugänglichen objektiv (wissenschaftlich validierten) Erkenntnishorizonts.

Das Verhalten von Konsumenten bei technischen Pannen ist aufschlussreich, denn es zeigt weit verbreitete heutige Einschränkung und Abhängigkeit deutlich auf: Viele verwenden Produkte, welche sie kaum verstehen - auch in ihren Nebenwirkungen des Gebrauchs. Daraus kann diffuse Angst entstehen. Das umfassende Wissen ist immer mehr nur noch Wissen der Gesellschaft (wenn es von Spezialisten gesellschaftsfähig publiziert werden kann)  und immer weniger Wissen des Einzelnen oder der Gemeinschaft. Hierin können wir einen Verlust der Verantwortungsfähigkeit des Individuums erkennen, was einhergeht mit einer Diskrepanz von Kontrollbewusstsein und Umweltrestriktivität (wir möchten verantwortungsvoll handeln und wissen eigentlich nicht wie ...), ein tief greifendes kollektives Dilemma in Gesellschaften, welche sich einseitig auf Tertiärwirtschaft ausrichten und dabei Outgesourcetes mittels Transportlogistik beschaffen..

Welche Zukunft bleibt solchen Gesellschaften offen?

Arbeitsteiligkeit fördert indirekt das Auswahlverhalten: Unsere hoch entwickelte  Wirtschaft bietet Dienste und Produkte an, welche die meisten Käufer und Anwender nicht mehr selbst entwickeln oder herstellen können. Sobald wir nicht mehr genügend verstehen, was erwerbbar ist im Angebot des Produkte- und Dienstleistungs-Marktes, werden wir abhängig in der Übernahme von Verantwortung für Wirkung und Nebenwirkung. Mit fehlender Erfahrung wird im persönlichen Entscheid die nicht erkannte, nicht bewusste Wirkung immer wichtiger - das eng auf sich selbst bezogene Auswahlverhalten wird immer einseitiger.

Kann solches gesellschaftliches Auswahlverhalten ausnahmslos unser jeweils individuelle verantwortliche Beitrag gemeinsamer Zukunft sein?

Das Kontrollbewustsein vieler ist fehlgeleitet. Es fehlt Erfahrung im Konkreten.

Es ist möglich, die Überlegungen zur Laborschule nicht nur auf naturwissenschaftliches Wissen zu beschränken, sondern sie auch auf für Gemeinschaften relevantes Wissen und Können anzuwenden - auf den Menschen und sein psychosoziales Verhalten, sein Seelenleben mit anderen Menschen. Dabei ist sein auf sich selbst bezogenes Auswahlverhalten zentral und kann Grenzen des Menschseins besonders deutlich aufzeigen.

Link zur Laborschule

Link zu Zeitfragen und molkulares Erlebnis